Fish & Chips Fail
Manchmal läuft im Leben einfach gar nichts nach Plan – und genau das scheint derzeit mein Motto zu sein. Nachdem es mir in Brisbane so gut gefallen hat, habe ich die Idee meine 88 Tage für die Verlängerung des Visums doch wieder aufgegriffen. Also ging die Suche nach einem passenden Job wieder los.
Kaum hatte ich die Backpackerjobboard-Seite geöffnet, springt mir ein Inserat ins Auge: Ein Fish & Chips Shop sucht Mitarbeiter. Und jetzt kommt’s: Es ist genau der Shop in Kewarra Beach – also nur zehn Minuten zu Fuß von Arne und Carli entfernt, bei denen ich zu Beginn meiner Australienreise schon ein Zuhause auf Zeit hatte. Ich hab nicht lange überlegt, mich sofort beworben, und eine Stunde später klingelt mein Handy. Kurzes Telefonat, Job fix. So schnell kann’s manchmal gehen! Also Flug buchen, WG-Zimmer und Brezel-Job kündigen – und ab zurück nach Kewarra Beach.
Zehn Tage später stand ich wieder dort, wo alles angefangen hatte. Top motiviert habe ich direkt beim Fish & Chips Shop vorbeigeschaut, um abzuklären, wann ich am nächsten Tag starten soll. „Sonntag, 10 Uhr“, meinte der Chef. Ich war top motiviert und konnte immer noch nicht glauben, wie unkompliziert diesmal alles lief.
Doch natürlich kam alles anders.
Am Sonntag schreibt mir der Chef plötzlich, dass er sich umentschieden hat – er sperrt heute doch nicht auf, ich soll am Montag kommen. Montag wiederum hat er einen „Termin“, keine Ahnung, wann er im Shop ist. Schließlich heißt es: Dienstag, 8 Uhr. Dann 8:30 Uhr. Und als ich schon auf dem Weg zur Arbeit bin, kommt um 8:25 Uhr die nächste Nachricht: 8:45 Uhr wäre besser.
Chaos pur.
Nach zweieinhalb Stunden Rumstehen schickt er uns – zwei andere deutsche Mädels und mich – schließlich wieder heim, weil es ihm „nicht gut geht“. Das war’s dann auch schon mit meiner glorreichen Karriere im Fish & Chips Shop. Kurz darauf wurde ich kommentarlos aus dem Gruppenchat entfernt. Und tschüss.
Also Plan B. Kaum hatte ich gecheckt, dass der Job wohl nicht mehr passieren wird, habe ich unzählige Bewerbungen an Hotels und Cafés in der Gegend rausgeschickt. Und tatsächlich: innerhalb kürzester Zeit drei Einladungen zum Probearbeiten – zweimal Housekeeping, einmal Café. Am liebsten hätte ich im Café angefangen und eigentlich war bereits alles fix. Bis ich nach dem Dienstplan frage und sie mir plötzlich erzählen, dass sie nun doch noch jemand anderen zum Probearbeiten eingeladen haben und nicht sicher sind, ob ich starten kann.
Also wieder zurück zum Hotel. Und schon am nächsten Tag stand ich zum ersten Mal im Housekeeping. Was soll ich sagen? Das ist richtige Knochenarbeit – besonders in einem Gebäude ohne Lift bei 33 Grad Außentemperatur. Irgendwann kam dann doch die Nachricht vom Café, dass ich anfangen könne.
Nur … jetzt ist es für mein Visum schon zu spät. Die Verzögerungen der letzten Wochen haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.
War es den Stress wert? Schwer zu sagen. Eine gute Geschichte ist es auf jeden Fall – auch wenn ich mir das Chaos ehrlich gesagt gerne erspart hätte.